Im Isergebirge können Besucher im Sternenmeer baden

Es gibt in Mitteleuropa immer weniger Orte, an denen sich der Sternenhimmel in seiner ganzen Pracht zeigt. Das Isergebirge im polnisch-tschechischen Grenzgebiet ist einer davon. Wer seinen Urlaub in einem der Schlosshotels im Hirschberger Tal verbringt, sollte bei klarem Wetter unbedingt einen abendlichen Abstecher dorthin einplanen.

Elektrisches Licht macht die Dörfer und Städte, Straßen und Industrieparks zwar gefühlt sicherer, lässt nach Sonnenuntergang aber auch immer weniger Licht aus dem Weltall auf die Erde durchdringen. Das tschechisch-polnische Isergebirge ist einer der letzten Orte in Mitteleuropa, wo diese „Lichtverschmutzung“ kaum bis gar nicht hingelangt. Darum wurde dort schon 2009 der „Izery Dark Sky Park“ als grenzübergreifendes Lichtschutzgebiet der Anrainergemeinden gegründet.

Federführend bei der Konzeption des rund 74 Quadratkilometer großen Parks waren die Astronomischen Institute der Universität Wrocław (Breslau) und der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Sie hatten das Isergebirge gewählt, weil es extrem dünn besiedelt ist und dennoch nicht weit entfernt von wichtigen touristischen Orten beiderseits der Grenze. Im benachbarten Riesengebirge stöört das Licht der umliegenden Ferienzentren hingegen die Sicht zum Sternenhimmel.

Zu erreichen ist der Park von der polnischen Seite aus etwa vom direkt an der Grenze gelegenen Langlaufzentrum Jakuszyce (Jakobsdorf). Vom dortigen Parkplatz sind es rund vier Kilometer zu Fuß, mit dem Rad oder auf Langlaufskiern bis zur Adlerbaude (Schronisko Orle). Das 1754 in der einstigen Glasmachersiedlung Carlsthal errichtete Gebäude wird als Unterkunft und Raststätte für Wanderer betrieben und beherbergt ein kleines Museum zur Glasmacherei. Es liegt im südlichen Bereich des Parks, der sich entlang des Isertals vorbei am einstigen Dorf Groß-Iser bis zum Stóg Izerski (Heufuder), dem Hausberg von Świeradów Zdrój (Bad Flinsberg) erstreckt.

Neben der eigentlichen Attraktion, dem nahezu „unberührten“ Sternenhimmel, haben die Projektverantwortlichen und ihre Partner rund um die Adlerbaude einige thematische Installationen für Tageslichtgäste aufgestellt. So können Besucher auf dem  Planetenweg auch bei Sonnenschein etwas über die Himmelsgestirne lernen. Eine als „Gnomon“ aufgestellte Granitskulptur zeigt, wie die Menschen bereits vor Jahrtausenden den Jahreszeitenhimmel über den Sonnenverlauf ablesen konnten. Wie daraus später ein Zeitmessgerät wurde, können Interessierte an der jahreszeitengenauen Sonnenuhr sehen, die an einer Ecke der Adlerbaude aufgehängt wurde.

Vom Frühjahr bis Herbst organisieren die polnischen und tschechischen Partner verschiedene Veranstaltungen im und Wanderungen durch den Sternenpark. Zu den Höhepunkten zählen das Tag- und Nachtfest oberhalb vom tschechischen Jízerka (Klein Iser) und das dreitägige Fotofest „Długie ekspozycje“ (Langzeitbelichtungen) an der Adlerbaude. Der Sternenpark ist nicht nur für Hobbyastronomen ein einzigartiges Erlebnis. Während die Zahl der mit bloßem Auge erkennbaren Sterne in beleuchteten Ortschaften bei etwa 500 liegt, schätzen die Wissenschaftler der Breslauer Universität ihre Zahl im Sternenpark auf rund 2000. Zudem seien entfernte Teile der Milchstraße sichtbar. So können Besucher auch mit einer durchschnittlichen Fotokamera mit Langzeitbelichtung eindrucksvolle Bilder machen.