Schlesische Denkmäler ausgezeichnet

Bereits zum dritten Mal veranstaltete der Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur (VSK) den Denkmalschutzwettbewerb “Denkmal – denk mal dran!” Den ersten Preis erhielten in diesem Jahr gleich zwei Bauwerke, die für die traditionelle Bauweise Niederschlesiens und der Lausitz stehen. Den Wettbewerb lobt der VSK gemeinsam mit der Stiftung OP ENHEIM aus Wrocław (Breslau) aus.

Ziel von „Denkmal – denk mal dran!“ ist es, private Eigentümer, Vereine oder vergleichbare Institutionen dazu zu ermuntern, in Objekte von historischer oder kunstgeschichtlicher Bedeutung zu investieren und diese zu erhalten oder wiederherzustellen. Der Jury gehörten unter anderem Agnieszka Bormann vom Schlesischen Museum zu Görlitz und der VSK-Vorsitzende Christopher Schmidt-Münzberg an.

Der erste Platz ging in diesem Jahr gleich an zwei Gebäude, die für jahrhundertealte Bautraditionen stehen. In Grabiszyce Średnie (Mittelgerlachsdorf) bei Lubań (Lauban) ist es ein Umgebindehaus. Dieser Bautyp ist vor allem für die Niederschlesische Oberlausitz charakteristisch. Er verbindet Mauer-, Fachwerk- und Holzbauweise. Der Name kommt von den Holzstützen, auf denen das erste Obergeschoss aufsitzt und die eine Blockstube im Erdgeschoss umgeben. Die ältesten erhaltenen Umgebindehäuser datieren auf das 16. Jahrhundert. Das Haus in Grabiszyce Średnie wurde zwei Jahre lang aufwendig saniert. Alle Holz- und Fachwerkelemente mussten komplett von Putz befreit werden.

Der andere erste Platz ging an ein Sudetenhaus in Stary Gierałtów (Alt Gersdorf) im Glatzer Bergland. Das etwa 250 Jahre alte Gebäude sticht vor allem durch die sogenannte Kreuzstube hervor. Dabei handelt es sich um ein vorgezogenes Zimmer im Obergeschoss, das sich auf Pfosten ruhend über dem Eingang befindet und von einer Galerie umgeben ist. Das Sudetenhaus vereint Holzblockbauweise mit Mauerwerk. Den zweiten Platz erhielt das Hotel Dzikie Róże (Wildrosen) in Janice (Johnsdorf), ein altes Hofensemble aus dem 18. Jahrhundert. Mit einer Anerkennung wurde das Projekt „Neues Leben des Matthäus – Rekonstruktion der St. Matthäuskirche in Uniemyśl/Berthelsdorf“ des Stowarzyszenie ??

Der in Görlitz beheimatete VSK hat sein Vereinszentrum auf Schloss Łomnica (Lomnitz). Mitglieder aus Deutschland und Polen widmen sich seit fast 20 Jahren gemeinsam der Pflege schlesischer Kunst und Kultur. Diesem Ziel soll auch der Wettbewerb dienen, mit dem die fachgerechte Restaurierung von Gebäuden, Parks oder technischen Denkmälern in Schlesien gefördert werden soll.  Die Stiftung OP ENHEIM bezog 2018 ihren Sitz im neuen Kunst- und Kulturzentrum mit Galerie in der Altstadt von Wrocław. Die Geschichte des barocken Bürgerhauses am Breslauer Salzmarkt reicht bis in das 13. Jahrhundert zurück. Seit 1810 befand es sich im Besitz der jüdischen Familie Oppenheim und gelangte später durch eine Schenkung in den Besitz der Jüdischen Gemeinde. Diese wurde von den Nationalsozialisten 1941 enteignet. Als einziges Gebäude am Salzmarkt überstand es den Zweiten Weltkrieg und beherbergte danach polnische Mieter.