Die 1945 gesprengte Altstadtbrücke über die Neiße war Jahrzehnte lang ein Symbol für die Trennung der Stadt. Seit dem Wiederaufbau zum EU-Beitritt Polens verbindet sie nicht nur die Schwesterstädte Görlitz und Zgorzelec, sondern ist auch ein Symbol für das Zusammenwachsen Europas.

Das rund 55.000 Einwohner zählende Görlitz gilt mit seinen rund 4.000 Baudenkmälern als eine der schönsten Städte Deutschlands. Bis heute zeugen die prachtvollen mittelalterlichen Bauten vom einstigen Reichtum der alten Tuchmacher- und Handelsstadt. Im 19. Jahrhundert entstand im Zuge der industriellen Revolution eines der bedeutendsten gründerzeitlichen Wohnviertel in Deutschland, das in den vergangenen Jahrzehnten Schritt für Schritt saniert wurde.

Die interessantesten Bauwerke befinden sich am Untermarkt. Das Rathaus wuchs über mehrere Jahrhunderte zu seiner heutigen Größe. Die ältesten Gebäudeteile stammen aus dem 14. Jahrhundert. Gegenüber befindet sich der Schönhof im Stil der Renaissance, der heute die Sammlungen des Schlesischen Museums beherbergt. Die Brüdergasse verbindet den Unter- mit dem Obermarkt, wo sich mit der Kaisertrutz und dem Reichenbacher Turm Teile der alten Stadtbefestigung befinden. Die Nordseite des Platzes schmücken farbenfrohe Barockgebäude.

Südlich des Obermarkts befindet sich am Marienplatz der Jugendstil-Bau des früheren Karstadt-Warenhauses. Es wurde 1912-1913 um einen großen glasbedeckten Lichthof herum gebaut und ist bis heute weitgehend im Originalzustand erhalten. Das seit 2009 nicht mehr genutzte Gebäude bildete einige Jahre später die Kulisse für den Kinofilm „Grand Budapest Hotel“. Seit einigen Jahren wird das Gebäude saniert und soll als Luxuskaufhaus wiedereröffnet werden. Saniert wird auch die Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete neoklassizistische Stadthalle, die sich an der Stadtbrücke, nahe der Grenze zu Polen, befindet.

Mit der polnischen Schwesterstadt Zgorzelec arbeitet Görlitz eng zusammen und plant für die Zukunft eine gemeinsame Verwaltung. Zgorzelec am östlichen Ufer der Neiße ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen und zählt rund 40.000 Einwohner. Die neuen Einkaufszentren am Rande der Stadt werden auch von vielen deutschen Gästen besucht. Am Neißeufer wurden zahlreiche Gebäude saniert oder wiederaufgebaut. Dort entstand ein Boulevard mit zahlreichen kleinen Pensionen, Geschäften und Restaurants, aus denen man den Blick auf Görlitz genießen kann. Im Haus an der ul. Daszyńskiego 12 erinnern eine Gedenktafel und ein kleines Museum an den dort geborenen Schuhmacher und Philosophen Jacob Böhme. Ein paar Häuser weiter befindet sich das Muzeum Łużyckie, das sich der Geschichte der polnischen Lausitz widmet.

Von Görlitz nach Jelenia Góra sind es rund 70 km. Die Doppelstadt Görlitz/Zgorzelec bietet sich für einen Zwischenstopp auf der Reise ins Hirschberger Tal an.