Wer die eindrucksvolle Fischbauchbrücke über die Bobertalsperre in Niederschlesien noch bei einer Wanderung erleben will, sollte sich beeilen. Denn auf die 1906 errichtete Eisenbahnbrücke hat es angeblich Hollywoodstar Tom Cruise abgesehen. Für seinen neuesten Film suchen die Paramount-Studios nach geeigneten Kulissen, der Stahlskelettbau ist eine davon. Die Geschichte bewegt die polnischen Medien derzeit massiv, denn die Brücke soll im Rahmen der Aufnahmen für seinen nächsten Film gesprengt werden.

Neben Eisenbahnliebhabern hat auch die Landeskonservatorin der Woiwodschaft Dolnośląskie (Niederschlesien) bereits Widerstand angekündigt. So soll das seit Jahren vor sich hin rostende Bauwerk zum Denkmal erklärt werden. Brisant ist, dass die Woiwodschaft die Strecke ohnehin reaktivieren wollte und kurz vor der Übernahme der einstigen Bobertalbahn von Jelenia Góra (Hirschberg) nach Żagań (Sagan) steht. Die technisch außergewöhnliche Brücke sollte danach Teil der neu entstehenden Niederschlesischen Route der Technikdenkmäler sein.

Mittlerweile hat sich auch der Präsident des Internationalen Komitees für den Erhalt der Industriedenkmäler, der Schotte Miles Oglethorpe in einem Brief an Premier Morawiecki für den Erhalt der Brücke ausgesprochen. Der in der Region tätige Architekt Christopher Schmidt-Münzberg schätzt den Zustand der Brücke anders ein, als die polnische Bahngesellschaft PKP: „In Rücksprache mit verschiedenen, mir bekannten Bauingenieuren und Stahlbaufachleuten bin ich davon überzeugt, dass die Brücke immer noch ordentlich restauriert werden kann“. Schmidt-Münzenberg, der sich dafür einsetzt, “diese Barbarei“ zu verhindern, ist verantwortlich für den Erhalt und Ausbau von Schloss Pakoszów (Wernersdorf) im nahe gelegenen Hirschberger Tal.