Das Schlosshotel von Pakoszów (Wernersdorf) beherbergt einen ganz besonderen Schatz: Im Obergeschoss eines Anbaus sind die Wände komplett bedeckt mit rund 1.000 handgemalten Delfter Kacheln. Im 17. und 18. Jahrhundert war es in adeligen und bürgerlichen Kreisen verbreitet, repräsentative Räume mit niederländischen Kacheln auszukleiden. So präsentiert das Städtische Museum von Wrocław (Breslau) das mit Delfter Kacheln ausgestattete Beyersdorf-Zimmer, das einem ehemaligen Patrizierhaus des 17. Jahrhunderts entstammt. Im Schlosshotel von Wernersdorf können Gäste und Besucher einen mit Delfter Kacheln ausgeschmückten Raum im Original erleben.
Vor mehr als zehn Jahren hatte die Ärztefamilie Hartmann aus dem Saarland den ehemaligen Familienbesitz im Tal bei Jelenia Góra (Hirschberg) wieder erworben. Das barocke Bauwerk, das im 18. Jahrhundert eine Leinenmanufaktur mit repräsentativen Wohnräumen verband, bot ihnen nach jahrelangem Leerstand ein Bild des Schreckens. Auch der Fußboden im Kachelzimmer war zerstört und musste komplett erneuert werden. Doch wie durch ein Wunder blieben die handgemalten blau-weißen Kacheln an den Wänden zum größten Teil erhalten. Sie wurden ohne Schablonen gemalt und enthalten meist biblische Motive oder Genre-Bilder aus den Niederlanden des 18. Jahrhunderts.
In aufwendigen Renovierungsarbeiten wurden Lücken geschlossen und beschädigte Kacheln erneuert. Ein Blickfang im Zimmer ist der mit Rokoko-Ornamenten überzogene offene Kamin, der gut erhalten und noch funktionsfähig ist. Zum besonderen Charme des Raums tragen auch die massiven Holztüren mit ihren weitgehend erhaltenen Beschlägen und die Kassettierungen an den Wänden bei. In einem kleinen Nebenraum befindet sich eine Sanitäranlage aus dem 18. Jahrhundert, die ebenfalls restauriert wurde.