Auch wenn der 11. November in Polen als Unabhängigkeitstag gefeiert wird – der alte Brauch des Gänseessens am Martinstag erfreut sich seit gut zehn Jahren einer kaum geahnten Renaissance. Im Hirschberger Tal rund um Jelenia Góra laden im November zwei Schlosshotels zu “Polnischen Gänsewochen“ ein.

Auf frische Zutaten und historische Rezepte legt Elisabeth von Küster besonderen Wert. Die Schlossherrin auf Łomnica (Lomnitz) hat gemeinsam mit ihrer Küchenchefin in alten höfischen Rezeptbüchern geschmökert und ist fündig geworden. Es gibt verschiedene traditionelle Menüs, aber auch kreative kulinarische Experimente. So erwartet Freunde ländlich-aristokratischer Gastronomie beispielsweise ein feines Menü bestehend aus Gänsebouillon mit Eierstich, mit Honig gebackener Gänsekeule an dunkler Sauce dazu glasierter Roter Beete sowie Hefebrot mit Früchten, Zwiebeln und Speck. Zum Dessert gibt es Bratapfel mit Johannisbeergelee an Zimt-Rum-Eis und Kokosmilch. Die frischen Gemüse, Kräuter und Obstsorten stammen zum großen Teil aus dem eigenen Küchengarten oder von lokalen Produzenten.

Auch in der Heimat des berühmten Stonsdorfer Kräuterlikörs gibt es zu St. Martin traditionell Speisen mit Gänsefleisch. Das Restaurant auf Schloss Staniszów (Stonsdorf) kredenzt als Vorspeisen Gans auf toskanische Art mit Pinienkernen, Salbei und Rosinen sowie eine Gänsebouillon mit polnischen Spätzle. Als Hauptgang gibt es eine Gänsekeule an Rotkohl mit Moosbeeren, Rosenkohl, Kartoffel-Chicche und Kümmelsoße. Zum Verdauungsspaziergang lädt der verwunschen anmutende Landschaftspark ein.

Beide Häuser bieten rund um den Martinstag auch spezielle Arrangements mit mehreren Übernachtungen, Gänsemenü sowie weiteren attraktiven Beigaben an. Herbstlich geht es zudem in den Schlosshotels in Karpniki (Fischbach) und Pakoszów (Wernersdorf) zu. Das Schlosshotel Karpniki bietet für den Herbst ein spezielles viertägiges Arrangement mit Wellnessbehandlungen sowie einem 4-gängigen à-la-carte-Menü an. Das Fünf-Sterne-Hotel Pakoszów lockt mit zur Jahreszeit passenden Kürbismenüs. Als Vorspeise kredenzt die Küche des Gault&Millau-prämierten Chefkochs einen Salat von Spinat, Kürbis und Kichererbsen mit Feta und einer Vinaigrette. Im Anschluss gibt es eine Kürbissuppe, die mit Ingwer und Kokosmilch verfeinert wurde sowie Lachs mit Kürbis-Petersilien-Pesto und Tomaten.

Auch wenn der Martinstag erst seit wenigen Jahren wieder im Kommen ist, kann die Gänsezucht in Polen auf eine ungebrochene Tradition zurückblicken. Die Mehrzahl des großen Federviehs wird noch wie zu Omas Zeiten im Freien gehalten. Polen ist zudem nach wie vor Europas größter Produzent und Lieferant für Gänsefleischprodukte. In Niederschlesien sind beispielsweise die Einwohner des unweit von Zgorzelec gelegenen Dörfchens Spytków (Wanscha) auf Gänsezucht spezialisiert.