Pressedienst 27.10.2014 http://talderschloesser.de Fri, 29 Jan 2016 11:33:54 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.4.1 Die Rückkehr der Martinsgans – Gänsewochen im Hirschberger Tal http://talderschloesser.de/die-ruckkehr-der-martinsgans-gansewochen-im-hirschberger-tal/ Mon, 27 Oct 2014 22:19:36 +0000 http://kk-berlin.baron-baron.info/?p=605 In Deutschland in aller Munde, war sie in ihrem Heimatland lange Zeit fast vergessen. Seit einigen Jahren erlebt die traditionelle Martinsgans aber auch in Polen ein Comeback. Mehrere Schlosshotels im Hirschberger Tal haben den Trend erkannt und bieten rund um den Martinstag edle Gänsemenüs an. Die Küchenchefs lassen sich dabei von der Slow-Food-Bewegung inspirieren. Im […]

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In Deutschland in aller Munde, war sie in ihrem Heimatland lange Zeit fast vergessen. Seit einigen Jahren erlebt die traditionelle Martinsgans aber auch in Polen ein Comeback. Mehrere Schlosshotels im Hirschberger Tal haben den Trend erkannt und bieten rund um den Martinstag edle Gänsemenüs an. Die Küchenchefs lassen sich dabei von der Slow-Food-Bewegung inspirieren. Im Angebot sind zudem spezielle Aufenthaltspakete zum Martinstag.

Slow Food Polska machte vor fünf Jahren den Anfang. Die Freunde qualitativ hochwertiger Speisen aus regionaler Herkunft fragten sich, warum nur rund fünf Prozent des heimischen Gänsefleischs auch im Land verspeist werden. Polen produziert zwar die meisten Gänse in Europa, aber mehr als 90 Prozent von ihnen landeten auf deutschen Tischen. Selbst am 11. November, an dem man nicht nur an St. Martin erinnert, sondern auch Polens Unabhängigkeit feiert, waren Gänse auf den Speisekarten rar. So wurde die Aktion „Gänse zu St. Martin“ ins Leben gerufen, an der heute viele der besten Restaurants im ganzen Land teilnehmen – darunter namhafte Adressen wie das Atelier Amaro in Warschau, Polens erstes Sterne-Restaurant.

Die überwiegende Zahl der polnischen Gänse wächst auch heute noch wie zu Großmutters Zeiten auf Wiesen und Weiden auf. Viel Bewegung, frische Luft und ein ausgewogener Speiseplan wirken sich positiv aus. Ihr Fleisch besitzt viel Eiweiß, das Fett ist reich an gesunden einfach ungesättigten Fett- sowie an Linolsäuren. Für die Schlosshotels lag es nahe, die alte Tradition der Martinsgans auch im Hirschberger Tal wieder aufleben zu lassen. Denn sie legen Wert auf frische regionale Produkte und setzen auf eine innovative Verbindung der klassisch polnischen mit einer modernen gesundheitsbewussten Küche. Erstmals laden in diesem Jahr fünf Schlosshotels rund um den 11.11. zum Gänseessen ins Hirschberger Tal ein.

Bereits seit einigen Jahren gehören Gänsewochen zum festen Programm bei Elisabeth und Ulrich von Küster in Łomnica (Lomnitz). Im dortigen Schlosshotel beginnt die Martinssaison am 8. November und dauert drei Wochen bis zum 28. November. Im Restaurant warten auf Gäste traditionelle Speisen wie Gänsebrust mit Äpfen, Rotkohl und schlesischen Mohnklößen oder Gänseleberpastete an mit Wodka aromatisiertem Apfelmuß zu dem duftendes Gutshoftoast serviert wird. Von der Martinsgans überzeugt ist auch Wacław Dzida. Der Besitzer des Schlosshotels in Staniszów (Stonsdorf) organisiert ebenfalls zum wiederholten Mal Gänsewochen. Ab 7. November können sich Besucher in der Heimat des Stonsdorfers für einen Monat unter anderem Rillettes von der Gans mit hausgemachten Pickles, Gänsebouillon mit Gemüsejulienne und Klößchen sowie Gänsebrust mit Rotkohl, Pilzroulädchen, gedämpften Möhren und Klößen genießen.

Viel Wert auf guten Geschmack legt man auch im Schloss von Pakoszów (Wernersdorf). Die Besitzer engagierten für den Aufbau der Schlossküche sogar den saarländischen Sternekoch Jörg Glauben. Genießer kommen dort auch zur Martinszeit auf ihre Kosten, wenn als Hauptspeise beispielsweise in roter Zwiebel marinierte Gänsekeule an Buchweizengrütze mit einer Soße aus Mohn und Heidelbeeren kredenzt wird. Als Entrée bietet sich gebratene Foie Gras mit Apfel, rotem Zwiebelconfit und Brioche an. Auf speziellen Wunsch können Gäste mit zweitägigem Vorlauf eine komplette Gans für vier bis fünf Personen bestellen. Die speziellen Gänsemenüs gibt es dort vom 8. November an für zwei Wochen. Auch das Schlosshotel Wojanów bietet seinen Gästen im November erstmals spezielle Gänsegerichte an. Auf der Speisekarte stehen vom 1. November bis 15. Dezember unter anderem gegrillte foie gras mit Feigen, ein Salat aus Gänsebrust, Apfel und Moosbeerensauce sowie Gänseroulade mit Rotkohl, Polenta und Pilzsauce.

Da der 11.11. in Polen als Unabhängigkeitstag ein gesetzlicher Feiertag ist, haben einige Hotels rund um dieses Datum auch spezielle Pakete gestrickt, bei denen die Gans eine tragende Rolle spielt. So bietet Schloss Lomnitz zum St. Martins-Wochenende vom 8. bis 11. November ein dreitägiges Paket für zwei Personen mit Frühstück, Kerzendinner mit Gänsemenü und Massage an. Inbegriffen ist ein Besichtigungsprogramm mit Führung im Großen Schloss sowie in der Glashütte „Huta Julia“ in Piechowice (Petersdorf).

Das Schlosshotel Wernersdorf in Pakoszów bietet vom 7. bis 24. November einen viertägigen Aufenthalt für zwei Personen mit Frühstück, 3-Gänge-Mittagessen am Tag der Ankunft, 3-Gänge-Gänse-Abendessen und 4-Gänge-Abendessen am zweiten Tag an, inbegriffen sind auch eine Aromamassage sowie die Nutzung des Wellnessbereiches. Das Martinsangebot auf Schloss Stonsdorf gilt vom 1. November bis 15. Dezember und umfasst unter anderem zwei Übernachtungen, ein Drei-Gänge-Menü mit begleitendem Wein, eine orientalische Massage mit heißem Öl für Sie und Ihn. Das Schlosshotel in Wojanów bietet vom 7. bis 11. November ein Spezialangebot mit zwei Übernachtungen und Halbpension, Nutzung des Wellnessbereichs und freiem Eintritt für die Glashütte Julia.

Weitere Informationen zu den Angeboten und den Schlosshotels unter www.talderschloesser.de

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Angebotspakete zu St. Martin im Detail

Zum St. Martinswochenende können sich Gäste im Schlosshotel Lomnitz vom 8. bis 11. November auf einen dreitägigen Aufenthalt für zwei Personen mit Frühstück, Kerzendinner mit Gänsemenü und Massage für umgerechnet 140 Euro pro Person freuen. Inbegriffen ist auch ein Besichtigungsprogramm mit Führung im Großen Schloss sowie in der Glashütte „Huta Julia“ in Piechowice (Petersdorf). Kinder bis sechs Jahren sind kostenfrei, ältere Kinder im Zustellbett zahlen rund 71 Euro. Bei Verlängerung des Aufenthaltes kommen Gäste zudem in den Genuss eines Rabatts von 30 Prozent.

St. Martins Arrangement in Pakoszów: Das Schlosshotel Wernersdorfer Bleiche in Pakoszów bietet vom 7. bis 24. November einen viertägigen Aufenthalt für zwei Personen mit Frühstück, 3-Gänge-Mittagessen am Tag der Ankunft, 3-Gänge-Gänse-Abendessen und 4-Gänge-Abendessen am zweiten Tag an, inbegriffen sind auch eine Aromamassage sowie die Nutzung des Wellnessbereiches. Die Kosten für das Paket belaufen sich in einem Zimmer mit Antresole auf rund 225 Euro pro Person, in der Luxussuite auf etwa 336 Euro pro Person.

Vom 1. November bis 15. Dezember gilt das Martinsangebot auf Schloss Stonsdorf, das mit einem traditionellen Begrüßungstrunk einhergeht. Gäste können sich auf zwei Übernachtungen in einem Zimmer ihrer Wahl freuen sowie auf ein Drei-Gänge-Menü mit begleitendem Wein, eine orientalische Massage mit heißem Öl für Sie und Ihn und 10 Prozent Rabatt auf SPA-Anwendungen. Das Zwei-Personen-Paket kostet in einem Zimmer der Standarklasse umgerechnet rund 160 Euro pro Person, im Vier-Jahreszeiten-Appartement etwa 223 Euro pro Person.

Schloss Schildau in Wojanów bietet vom 7. bis 11. November ein spezielles Feiertagspaket. Für rund 43 Euro pro Person und Nacht können sich Gäste auf eine Übernachtung mit Frühstück und Drei-Gänge-Menü sowie Nutzung des Wellness-Bereiches freuen. Im Preis mit inbegriffen ist die Besichtigung der Glashütte „Huta Julia“ in Piechowice sowie eine 10%-ige Ermäßigung auf den Eintritt der Thermen in Cieplice Śląskie-Zdrój (Bad Warmbrunn).

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Stonsdorf zieht Künstler und Kunsthandwerker an http://talderschloesser.de/stonsdorf-zieht-kunstler-und-kunsthandwerker-an/ Mon, 27 Oct 2014 22:14:46 +0000 http://kk-berlin.baron-baron.info/?p=603 Eine der größten Flotten Polens ankert in Staniszów (Stonsdorf) am Rande des Riesengebirges. Luigi Augusto Carta fertigt dort Nachbauten historischer Galeonen. Ebenfalls mit Holz arbeitet sein Nachbar Tadeusz Słodyczka. Er ist einer der besten Geigenbauer Polens. Zu seinen Kunden vor Ort gehört der bekannte Geiger Janusz Nykiel. Im Kulturzentrum des Stonsdorfer Schlosses stehen mittelalterliche Schiffe […]

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Eine der größten Flotten Polens ankert in Staniszów (Stonsdorf) am Rande des Riesengebirges. Luigi Augusto Carta fertigt dort Nachbauten historischer Galeonen. Ebenfalls mit Holz arbeitet sein Nachbar Tadeusz Słodyczka. Er ist einer der besten Geigenbauer Polens. Zu seinen Kunden vor Ort gehört der bekannte Geiger Janusz Nykiel.

Im Kulturzentrum des Stonsdorfer Schlosses stehen mittelalterliche Schiffe wie zur Schlacht gerüstet. Die „Sovereign oft the seas“, 1637 in England gebaut, führt mit ihren stolzen 2,20 Metern Länge die Armada an, die schwedische Galeone „Vasa“ von 1628, die spanische „San Felipe“ aus dem Jahre 1690 und viele andere bekannte Kriegsschiffe gesellen sich dazu. Luigi Augusto Carta präsentiert stolz seine Arbeit der vergangenen zwölf Jahre. Maßstabsgerecht und mit vielen filigranen Details hat er die Modelle der historischen Schiffe aus Holz und Metall gefertigt und erzählt mit glänzenden Augen von deren Geschichte.

Ich liebe alte, elegante Schiffe“, schwärmt Luigi, der auf Sardinien geboren wurde, die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich verbrachte und über Deutschland schließlich nach Polen kam. Seit sechs Jahren lebt er mit seiner polnischen Frau Alina in Staniszów, dem früheren Stonsdorf, am Rande des Riesengebirges – und findet dort als Rentner genügend Zeit für sein Lebenswerk. Gearbeitet hat er ursprünglich als Chemieingenieur, aber seine Liebe galt schon immer alten Schiffen. Das erste Modell hat er als 14-jähriger gebaut. Jahre später schlug ihm der Architekt seines Hauses in Frankreich vor, seine Modelle zu verkaufen. Luigi griff den Ratschlag auf. Ein paar Monate danach war mit den Schiffen der Kredit für sein Haus abbezahlt. Später sattelte Luigi Augusto Carta ganz auf den Modellbau um.

Für seine Schiffe erhielt er zahlreiche Preise, eines seiner Modelle befindet sich heute im Londoner Greenwich-Museum, andere wurden von Liebhabern aus der ganzen Welt gekauft. Auch mit stolzen 78 Jahren bleibt Luigi seiner Leidenschaft treu. Ein Jahr lang baut er an einem großen Modell, das bis zu 25.000 Euro kostet. Kleinere Schiffe sind einfacher in der Herstellung und entsprechend schon für weniger als 1.000 Euro erhältlich. In seiner neuen Heimat fühlt sich Luigi Augusto Corte wohl, liebt das Land und die Leute, auch wenn er nach Italienisch, Französisch und Deutsch keine neue Sprache mehr lernen möchte. Dafür spricht seine Frau inzwischen fließend italienisch.

Wie Luigi Augusto Carta braucht auch Tadeusz Słodyczka einen langen Atem für seine Arbeiten. Mindestens drei Monate dauert es, bis der Geigenbauer ein neues Instrument in seinen Händen hält. Hunderte Arbeitsschritte sind nötig, bevor aus den oft jahrzehntelang gelagerten Hölzern eine neue Geige entsteht. Bis zu 60 Schichten Lack trägt er auf, um ihr das charakteristische Aussehen zu geben. Auf Wunsch arbeitet Tadeusz Słodyczka dabei gleich die nötige Patina ein, um das neue Instrument alt aussehen zu lassen. Vor allem nach der Vorlage der berühmten Stradivari fertigt der Meister seine Geigen.

Tadeusz Słodyczka, der in der Tatra-Region auswuchs, war der Geigenbau nicht in die Wiege gelegt. Eher durch Zufall kam er zur Geigenbau-Schule in Nowy Targ, arbeitete danach in Lubin als Kontrolleur in einer staatlichen Instrumentenfabrik. Weil er sich dort jeden Tag über die schlechte Verarbeitung der Instrumente ärgerte, begann er nach Feierabend sein zweites Leben. In einer kleinen Werkstatt baute er seine ersten eigenen Geigen, machte sich später selbstständig, schnupperte bei den Großen seines Faches in anderen Ländern hinein und wurde bald selbst einer der ganz großen Geigenbauer. Rund 300 Instrumente hat er im Laufe seines Lebens gebaut – und zahlreiche internationale Preise dafür erhalten. Beim renommierten Geigenbau-Wettbewerb in Prag gewann er neben der Goldmedaille für die schönste Geige auch den Preis für den besten Klang. Viele seiner Geigen und Cellos gehen ins Ausland, denn noch immer seien Instrumente aus Polen bei vergleichbarer Qualität sehr viel preiswerter als in Westeuropa, erzählt er.

Nach vielen Jahren im Flachland packte Słodyczka wieder die Sehnsucht nach den Bergen. Janusz Nykiel konnte ihn für die Riesengebirgsregion begeistern. Dort gebe es eine Philharmonie und eine Musikschule, aber keinen Geigenbauer, war sein Argument. Es verfing bei Tadeusz Słodyczka, und so siedelte er vor sechs Jahren nach Stonsdorf um, genießt seitdem von seiner Terrasse und aus der Werkstatt den Blick auf die Schneekoppe und widmet sich dort weiter mit Leidenschaft dem Geigenbau. In Janusz Nykiel hat er den perfekten Partner vor Ort, der seine neuen Instrumente testen und bewerten kann. Der ehemalige Erste Geiger der Philharmonie in Jelenia Góra (Hirschberg) hat sich inzwischen selbstständig gemacht, tritt mit mehreren Musikensembles auf und organisiert mit seiner Firma „farma artystyczna“ von Stonsdorf aus zahlreiche Musikveranstaltungen im Hirschberger Tal.

Informationen:

Die Arbeiten von Luigi Augusto Carta sind in der Galerie des Schlosses Stonsdorf ausgestellt. Der Modellbauer ist telefonisch erreichbar unter der Nummer 0048-75-743 01 14. Informationen zu Schloss Stonsdorf unter www.palacstaniszow.pl Geigenbaumeister Tadesusz Słodyczka ist erreichbar unter [email protected] oder Telefon 0048-695 576 316. Infos zur „farma artystyczna“ von Janusz Nykiel auf Polnisch unter www.farmaartystyczna.pl Allgemeine Informationen über das Hirschberger Tal unter www.talderschloesser.de

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Wernersdorf – eine Familienchronik http://talderschloesser.de/wernersdorf-eine-familienchronik/ Mon, 27 Oct 2014 22:08:22 +0000 http://kk-berlin.baron-baron.info/?p=599 Hagen Hartmann war 4 Jahre alt, als seine Eltern aus Breslau flüchteten. Den früheren Familienbesitz im schlesischen Wernersdorf kannte er nicht mehr. Doch im Familienverbund lebten die Erinnerungen an das Schloss weiter – und irgendwann bekam das Ärztepaar Hartmann die Gelegenheit, das verfallene Anwesen zurückzukaufen. Das änderte ihr Leben radikal. Fast zehn Jahre dauerte es, […]

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Hagen Hartmann war 4 Jahre alt, als seine Eltern aus Breslau flüchteten. Den früheren Familienbesitz im schlesischen Wernersdorf kannte er nicht mehr. Doch im Familienverbund lebten die Erinnerungen an das Schloss weiter – und irgendwann bekam das Ärztepaar Hartmann die Gelegenheit, das verfallene Anwesen zurückzukaufen. Das änderte ihr Leben radikal.

Fast zehn Jahre dauerte es, bis aus der verfallenen Wernersdorfer Bleiche im heutigen Pakoszów ein elegantes Schlosshotel wurde. Hätte man anfangs geahnt, welche Arbeit mit der Sanierung des Hauses verbunden war, hätte man vielleicht von dem Projekt Abstand genommen, meint Ingrid Hartmann rückblickend. Doch heute überwiegt die Freude an dem, was die Familie gemeinsam geschaffen hat. Ingrid Hartmann schwebte ein Hotel vor, in dem sie sich selbst wohlfühlen würde. Und weil ihr das gelungen ist, fühlen sich auch ihre Gäste aus Polen, Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern wohl und vergeben Höchstnoten in den Bewertungsportalen.

Mehr als zwei Jahre lang besteht das Schlosshotel und seitdem führt das Ärztepaar zwei Leben. Eines im saarländischen Homburg, das zweite in Pakoszów. Im Schnitt eine Woche im Monat verbringt Ingrid Hartmann dort. „Wären nicht die Kinder und Enkel, dann würde ich ganz hier bleiben“, meint sie, denn jedes Mal falle ihr der Abschied von Pakoszów schwer. Doch inzwischen hat auch einer der Söhne im Hirschberger Tal Fuß gefasst. Christoph Hartmann, ehemals Wirtschaftsminister des Saarlandes, kümmert sich jetzt ebenfalls um die Entwicklung des Schlosshotels und pendelt zwischen Deutschland und Polen.

In den zehn Jahren habe sie keine schlechten Erfahrungen in Polen gemacht, meint Ingrid Hartmann, erlebt die Menschen dort als sehr herzlich und offen. Häufig bedankten sich polnische Gäste sogar bei ihr, dass sie ein so schönes Hotel in Polen aufgebaut habe. Ganz gerührt erlebte sie, wie eine Gruppe des örtlichen Kindergartens mit einem selbstgebackenen Kuchen ins Schloss kam und sogar ein Lied in deutscher Sprache sang. Im Gegenzug bedankte sich die Familie mit Paketen zum Weihnachtsfest.

Der Charme der alten Gemäuer und der barocke Prunk des Festsaals verbinden sich in Wernersdorf hervorragend mit einem modernen, schnörkellosen Design und klaren Formen. Das Schlosshotel überrascht mit ungewöhnlichen Lösungen wie freistehenden Badewannen in einigen Designerzimmern. Wie es sich für Saarländer gehört, legt die Familie höchsten Wert auf ein gutes Essen. Ein Sternekoch aus ihrer Heimat gab dem Restaurant den Feinschliff. Am Herzen liegt ihnen auch die Förderung des künstlerischen Nachwuchses und so finden junge Musiker aus Deutschland und Polen dort die passende Bühne für ihre öffentlichen Auftritte. „Das Hotel würde in diesem Stil auch am Rhein angenommen“, ist sich Hagen Hartmann sicher. In Pakoszów erfreut es sich wachsender Beliebtheit von Stammkunden, die den weiten, unverbauten Blick, den großzügigen Park und die Nähe zum Riesengebirge genießen.

Für Hagen Hartmann ist Pakoszów auch eine späte Rückkehr zu den Wurzeln der Familie. Seine Vorfahren zählten zu den bedeutendsten Schleierherren – so nannten sich früher die wohlhabenden Leinenhersteller im Hirschberger Tal. Die Wernersdorfer Bleiche diente einerseits der Herstellung von Leinen und beherbergte zugleich die Wohn- und Gesellschaftsräume der Familie. Der Preußenkönig Friedrich II., der spätere US-Präsident John Quincy Adams, der Dichter Klopstock und der Riesengebirgsmaler Reinhardt waren dort zu Gast.

Margarethe Drewes, die Großmutter von Hagen Hartmann, starb zwei Tage vor Beginn des Zweiten Weltkriegs in Wernersdorf und wurde in der Familiengruft an der Hirschberger Gnadenkirche beigesetzt. Ihre Tochter Margarethe hatte einen Breslauer Chefarzt geheiratet und flüchtete mit ihm und ihrem vierjährigen Sohn Hagen 1945 nach Westen. 60 Jahre später kauften Ingrid und Hagen Hartmann den Familienbesitz zurück. Und Christoph Hartmann führt das Erbe der Familie fort. Mit der polnischen Sprache hat er sich bereits angefreundet und an Plänen für den weiteren Ausbau des Hotels mangelt es ihm nicht.

Informationen über Schloss Wernersdorf unter www.schlosshotel-wernersdorf.de Allgemeine Informationen über das Hirschberger Tal unter www.talderschloesser.de

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