Per Drahtesel von Schloss zu Schloss

Entschleunigt unterwegs im Hirschberger Tal

Früher ließ sich der Adel in prächtigen Kutschen von Schloss zu Schloss fahren, heute ist der Drahtesel das ideale Gefährt, um die Schlösser- und Parklandschaft des Hirschberger Tals bei Jelenia Góra im Entspannungsmodus zu entdecken. Die Strecken sind kurz, die Steigungen meist moderat und wer es noch bequemer haben möchte, kann sich vor Ort auch ein E-Bike ausleihen.

Vom gemütlichen Kurztrip über eine anspruchsvolle Tagestour bis zu einem mehrtägigen Schlösser-Hopping ist alles möglich. Die Königsstrecke ist die „Kulturroute durch das Tal der Schlösser und Gärten“. Die gesamte Trasse von etwa 100 Kilometer Länge lässt sich gut in Teilstrecken aufteilen und verbindet mehr als ein Dutzend Burgen und Schlösser. Startpunkt ist der Ritterturm in Siedlęcin (Boberröhrsdorf), unweit von Jelenia Góra, der mit einzigartigen mittelalterlichen Wandmalereien lockt. Die Tour endet an der Ruine der mittelalterlichen Burg Zamek Bolzów (Bolzenschloss) in Janowice Wielkie (Jannowitz). Beide Orte sind per Regionalbahn an Jelenia Góra angebunden, sodass eine bequeme Anreise und Rückfahrt möglich sind.

Auf der Strecke liegen die Schlosshotels von Pakoszów (Wernersdorf), Staniszów (Stonsdorf), Karpniki (Fischbach), Łomnica (Lomnitz) und Wojanów (Schildau), die sich für eine kurze Rast oder eine Übernachtung anbieten. Weitere Zwischenstationen sind die romantische Parkanlage von Bukowiec (Buchwald) und das heute als Schule genutzte ehemalige königliche Sommerschloss von Mysłakowice (Erdmannsdorf). Auf der Strecke liegt auch der traditionsreiche Kurort Cieplice (Bad Warmbrunn) mit dem prachtvollen Barockschloss der Grafen von Schaffgottsch, das heute Seminarräume der Technischen Universität von Wrocław (Breslau) beherbergt.

Einer der schönsten Abschnitte führt entlang des malerischen Bober-Tals zwischen Łomnica und Janowice. Die rund 20 Kilometer lange Strecke überbrückt gerade einmal 52 Höhenmeter und verläuft größtenteils auf ruhigen Nebenstrecken über asphaltierte Straßen. Auch ungeübte Radler können den Weg problemlos meistern und dabei die Panoramen der Rudawy Janowickie (Landeshuter Kamm), Góry Sokołe (Falkenberge) und Góry Kaczawskie (Bober-Katzbach-Gebirge) genießen. Ein kleiner Abstecher führt zu der untergegangenen Stadt Miedzianka (Kupferberg). Für den Aufstieg können sich Radler dort mit einem frisch gezapften Bier im neu eröffneten Brauhaus und einem traumhaften Blick auf die Berglandschaft belohnen.

Der Abschnitt von Łomnica nach Janowice ist auch ein Teil des Radwanderwegs ER6 „Dolina Bobry – Bobertal“ der Euroregion Neiße-Nisa-Nysa. Diese rund 122 Kilometer lange Strecke beginnt an der polnisch-tschechischen Grenze in Lubawka (Liebau) und führt stromabwärts über das Bober-Katzbach-Gebirge, durch das Hirschberger Tal und weiter bis in die Keramikstadt Bolesławiec (Bunzlau).

Wer auf einem der Schlosshotels seinen Urlaub verbringt, kann per Rad auch kürzere Ausflüge in die Umgebung unternehmen. Von Staniszów ist es nur ein Katzensprung zur Ruine des Jagdschlösschens in Marczyce (Markdorf), zum Stausee von Sosnówka oder zum Schloss der Brauerfamilie Spiż in Miłków (Arnsdorf). Vom Pałac Pakoszów führen Routen zum Wasserfall „Kropelka“ in Górzyniec (Hartenberg), zum historischen Elektrizitätswerk am Boberstausee in Wrzeszczyn (Boberrullersdorf), zum Gerhart-Hauptmann-Haus in Jagniątków (Agnetendorf) oder zum Schaffgottschen Schloss und Kurpark in Cieplice. Sehr sportlichen Fahrern empfiehlt Hotelmanager Dr. Christoph Hartmann eine Tour von Pakoszów auf die in 1260 Metern Höhe gelegene Vosecká bouda (Wossecker Baude) im tschechischen Teil des Riesengebirges. Auf der knapp 32 km langen Strecke müssen 800 Höhenmeter überwunden werden, „dafür erwarten die Radfahrer nach der Anstrengung kühle Getränke und ein fantastischer Blick“, schwärmt er.

Ein rund 20 Kilometer langer, leichter Rundkurs verbindet die Schlosshotels von Wojanów, Łomnica und Karpniki mit Bukowiec, wo man den ersten romantischen Landschaftspark Schlesiens erleben kann, der in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt wurde. Als Zwischenstopp bietet sich auch das Schweizerhaus an, die ehemalige Jagdhütte des Hohenzollernprinzen Wilhelm am Rande von Karpniki, heute eine beliebte Herberge für Wanderer und Radler in den Falkenbergen. „Die Strecke führt über kleine Straßen und schöne Waldwege“, betont Gabriela Duma vom Schlosshotel in Wojanów, die diese Tour sehr gerne ihren Gästen empfiehlt. Ambitionierteren Fahrern empfiehlt Elisabeth von Küster vom Schlosshotel in Łomnica eine Verlängerung der Tour über die Bergdörfer Gruszków (Bärndorf) und Struźnica (Neu-Fischbach) am Rande des Landschaftsparks des Landeshuter Kamms entlang bis nach Janowice. Von dort geht es entlang des Bobers wieder zurück, vorbei an der wildromantischen Ruine des Schlosses Bobrów (Boberstein).

Wojanów ist auch eine Zwischenstation von organisierten Rad-Rundreisen, die der Veranstalter „Via Silesia“ für kleine Gruppen deutschsprachiger Gäste organisiert. Sie führen in einer Woche von Wrocław (Breslau) Richtung Jelenia Góra und zurück. Einen ganzen Tag lang ist die Gruppe im Hirschberger Tal unterwegs, andere Stationen sind die Friedenskirchen von Świdnica (Schweidnitz) und Jawor (Jauer), die Bildungs- und Gedenkstätte Krzyżowa (Kreisau) oder das Schloss Książ (Fürstenstein). Per Bus werden stark befahrene Straßen überbrückt, mit dem Rad geht es entspannt über kleine Straßen und Wege.

Informationen:
Wer ins Hirschberger Tal reist, braucht kein eigenes Fahrrad mitzunehmen. Alle Schlosshotels bieten eigene Leihräder an, auf Wunsch können auch E-Bikes zur Verfügung gestellt werden. Detaillierte Fahrradkarten der Region sind dort ebenfalls erhältlich. Einige Schlosshotels haben darüber hinaus Pakete geschnürt, die bereits die Radausleihe beinhalten. So bietet Schloss Lomnitz ein fünftägiges Programm „Radfahren und Wellness im Tal der Schlösser“, das unter anderem ein Leihrad für drei Tage, einen Schnupper-Reitkurs, Wellnessmassage und Kosmetikbehandlungen umfasst. Informationen zu den Radreisen von Via Silesia unter www.via-silesia.pl

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