Hausbrauerei in Kupferberg knüpft an alte Traditionen an

Wenige Kilometer östlich der Schlosshotels in Łomnica (Lomnitz) und Wojanów (Schildau) befindet sich oberhalb des Flusses Bóbr (Bober) ein vergessener Ort. Nur wenig erinnert heute an den einstigen Wohlstand der Bergwerkssiedlung Miedzianka (Kupferberg) in den Rudawy Janowickie (Landeshuter Kamm). Doch unlängst eröffnete ein junges Paar dort eine Hausbrauerei, die an die Tradition von Kupferberg anknüpfen will. Wanderer und Radtouristen können dort ihr Bier mit einem atemberaubenden Blick auf die gegenüberliegenden Berge genießen.

Der Braumeister beim Zapfen

Kurz hinter Wojanów scheint die Zeit zum Stillstand zu kommen. Eng windet sich die Straße durch die alten Dörfer oberhalb des Bober-Flusses. Nach einer steilen Auffahrt gelangt man zu den von idyllischen Wiesen, Weiden und Wäldern umgebenen Resten von Miedzianka. Nichts erinnert mehr daran, dass Kupferberg einst eine lebendige Kleinstadt mit zwei Kirchen, palastähnlichem Gutshof und einer bekannten Brauerei war. Umso mehr überrascht die Besucher ein modernes Gebäude am Ortsrand. Die Hausbrauerei von Ewa Jurkiewicz und Jarosław Kądziela wurde erst Anfang Mai 2015 mit einem großen Fest eröffnet.

Betritt man das Gebäude, so bleibt der Blick zunächst an den großen Braukesseln und Gärtanks hängen, in denen der Hopfensaft schonend mit örtlichem Quellwasser zubereitet wird. „Wir hatten uns ein Grundstück gekauft und wollten eigentlich nur ein Haus bauen“, erklärt Ewa Jurkiewicz lächelnd. Das sei dann allerdings etwas größer ausgefallen. Die beiden haben ursprünglich in Wrocław (Breslau), der Heimatstadt von Jarosław Kądziela, Physik studiert. Sie selbst stamme aus dem nahe gelegenen Jelenia Góra. Auf der Spurensuche in Miedzianka kamen sie mit der Geschichte des Ortes in Berührung: „Jarek war ohnehin schon Hobbybraumeister. So kamen wir auf die Idee, die hiesige Tradition wieder aufleben zu lassen“, sagt Ewa Jurkiewicz.

Ewa Jurkiewicz

Ewa Jurkiewicz

Drei Jahre brauchten sie, sich das nötige Know-how anzueignen, geeignetes Brauzubehör einzukaufen und vor allem gute Rezepturen zu entwickeln. „Wir orientieren uns ein wenig an den ursprünglichen Erzeugnissen, haben aber unsere eigenen Biersorten entwickelt. Alle naturbelassen, unfiltriert und nicht pasteurisiert“, erklärt Kądziela stolz. Drei Sorten kann man bisher im hauseigenen Ausschank verkosten, in Flaschen mit nach Hause nehmen oder in ausgewählten Bars und Kneipen Niederschlesiens genießen. Das helle schmeckt zitrusartig frisch und heißt „Cycuch Janowicki“ (Landeshuter Möpse). Wer die charakteristische Form der beiden gegenüberliegenden Berge betrachtet, ahnt, wie es zu dem ungewöhnlichen Namen kam. Im Angebot sind auch ein rotes Lager nach englisch-neuseeländischem Vorbild und das „Górnik“ (Bergmann), das auf angenehm rauchige Art seinem Namen alle Ehre macht. In Planung sind auch saisonale Biere.

Hausbrauerei "Browar Miedzianka"

Hausbrauerei „Browar Miedzianka“

Hinter der breiten Glasfront des Gastraumes befindet sich die ausladende Terrasse. So hat man bei jeder Witterung einen atemberaubenden Ausblick auf die Berglandschaft des Landeshuter Kamms. Die in hellen Pastelltönen gehaltene Einrichtung hat Ewa Jurkiewicz selbst konzipiert. Für Kinder schuf das Paar eine Spielecke mit allerlei Angeboten. Auch der weitläufige Außenbereich lädt zum herumtollen ein. Die Speisekarte soll noch erweitert werden. „Zu einem guten Bier gehört leckere, aber deftige Kost einfach dazu“, ist die junge Frau überzeugt. Künftig will sie vor allem Gegrilltes anbieten.

Das Paar belebt eine lange Tradition wieder. Aus dem Zapfhahn der örtlichen Brauerei floss einst „Kupferberger Gold“, ein Bier das vor allem bei den Bergarbeitern und Webern der Region beliebt war. Noch bis in die 1970er Jahre wurde die Brauerei unter dem Namen „Browar Miedzianka“ weitergeführt. Dann kam das Ende für den gesamten Ort. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts war der Bergbau in der Region zum Erliegen gekommen, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsche Bevölkerung der Stadt vertrieben. In einem Bergwerk fanden die sowjetischen Behörden Uran, beuteten es innerhalb weniger Jahre aus und brachten es in die Sowjetunion. Danach war der Ort dem Verfall preisgegeben. Die letzten verbliebenen Bewohner wurden 1972 in die Kreisstadt Jelenia Góra (Hirschberg) umgesiedelt.

Wo sich heute das frische Grün der Bäume ausbreitet, befand sich einst der belebte Marktplatz. Überdauert hat die katholische Kirche, die einsam an der Hauptstraße steht. Vom Palast aus dem späten 18. Jahrhundert zeugen nur noch Kellergewölbe und Fundamente. Zwischen Büschen versteckt finden sich Mauerreste oder ehemalige Kellereingänge von anderen Gebäuden. Nur wenige Häuser bleiben erhalten, darunter die frühere Schankwirtschaft „Zum Schwarzen Adler“ am Markt. Derzeit leben wieder gut ein Dutzend Menschen in Miedzianka. Ein Verein will den Ort aus seinem Dornröschenschlaf erwecken oder zumindest vor dem Vergessen bewahren. Er hat bereits einige Schautafeln aufgestellt, die in polnischer Sprache von der langen Bergbautradition erzählen. Jarosław Kądziela und Ewa Jurkiewicz tragen mit ihrer neuen Brauerei dazu bei, dass die Geschichte von Kupferberg weitergeschrieben wird.

Informationen:
Miedzianka liegt gut zehn Kilometer von den Schlosshotels in Wojanów und Łomnica entfernt. Der Weg führt entlang des Flusses Bóbr über Trzcińsko (Rohrlach) und Janowice Wielkie (Jannowitz). Die Brauerei ist täglich außer Montag von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Angeboten werden auch einige Unterkünfte. Weitere Informationen in polnischer Sprache unter www.browar-miedzianka.pl

1 Kommentar

  1. Dieter Winkler Dieter Winkler
    August 31, 2015    

    Früher wurde in Kupferberg das berühmte Kupferberger Gold gebraut.

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