Ganz ohne Pathos – Viertes Festival dell’Arte im Hirschberger Tal der Schlösser

Die Auftritte des Jazzmusikers Stanisław Sojka und des Lewandowski Masters Quintet gehören zu den Höhepunkten beim vierten Festival dell’Arte im Hirschberger Tal der Schlösser und Gärten. Rund um die Stadt Jelenia Góra (Hirschberg) können Besucher vom 15. bis 23. August 2015 hochkarätige Ausstellungen, Konzerte sowie Theatervorstellungen und Lesungen erleben. Als einzigartige Kulisse dienen fürstliche Residenzen und Landschaftsparks.

1 (82)„Mit dem Festival dell’Arte wollen wir an die großartige künstlerische Tradition der Romantik anknüpfen, die in der Umgebung von Hirschberg den Mythos vom Schlesischen Elysium schuf”, skizziert Piotr Napierała die Ursprungsidee des Festival dell’Arte. Napierała ist Vorsitzender der Fundacja Dolina Ogrodów i Pałaców (Stiftung Tal der Schlösser und Gärten), die das Festival 2012 ins Leben rief. „In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts suchte man hier im Hirschberger Tal nach dem verlorenen Paradies, nach einem Arkadien, einer idealen Landschaft”, so der Unternehmer und Schlosskenner weiter. Die Schlösser und Gärten waren damals ein Zentrum des kulturellen Lebens in Preußen und Europa, verbunden mit den Namen bekannter Architekten und Künstler wie Karl-Friedrich Schinkel oder Caspar David Friedrich.

Auch heute sei das Hirschberger Tal „mit seiner Geschichte, den Schlössern und Landschaftsparks ein idealer Ort, um die Begegnung des Menschen mit der Kunst zu zelebrieren”, betont Michał Maciaszczyk, künstlerischer Direktor des Festivals. Der Violinist und Dirigent spielte lange Zeit beim Wiener Kammerorchester und den Wiener Philharmonikern, kennt die großen Konzerthallen rund um den Globus und genießt doch immer wieder die inspirierende Naturlandschaft der Sudeten. Sein Ziel ist es, dem Publikum im Rahmen des Festival dell’Arte eine Möglichkeit zu bieten, „Kunst ohne Pathos aber mit wahrer Freude und Ehrlichkeit zu bewundern.“ Dazu trägt er auch selbst bei, wenn er am 16. August in der Kirche von Mysłakowice (Erdmannsdorf) mit dem Kammerensemble Concertino aus Myślenice Werke klassischer Komponisten interpretiert.
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Musik ist eine der tragenden Säulen des Festivals. Gäste könnten aber auch Poesie in traditioneller und zeitgenössischer Ausführung erleben und sich an den Werken zeitgenössischer Künstler satt sehen, versichert Maciaszczyk. So beginnt die Veranstaltungsreihe am 15. August gleich mit mehreren Vernissagen, die in den Schlössern von Wojanów (Schildau), Pakoszów (Wernersdorf), Karpniki (Fischbach), dem Vorwerk von Schloss Bukowiec (Buchwald) sowie im Theater von Jelenia Góra stattfinden. Zu sehen sind unter anderem Werke des 2004 verstorbenen Malers Jerzy Duda-Gracz, Glaskunst von Tomasz Urbanowicz, Keramikskulpturen von Anna Malicka-Zamorska und Katarzyna Kielan, Fotografien von Hanna Snijder und Tomasz Terlecki sowie Skulpturen von Michał Kubiak. Ein Konzert des Ensembles Le Musiche im Schloss von Wojanów schließt den ersten Tag des Festivals ab. Die Musiker der Berliner Philharmoniker präsentieren Klavierquintette von Dmitri Schostakowitsch und César Franck.

Zu den musikalischen Höhepunkten zählen die Auftritte des bekannten polnischen Jazz-Solisten Stanisław Sojka und des Lewandowski Masters Quintets. Sojka wird am 22. August in der Kulturscheune in Buchwald auftreten. Das Lewandowski Masters Quintet präsentiert dem Publikum am 23. August mit „The fifth season“ seine jazzige Interpretation der Musik von Antonio Vivaldi. Als Kulisse dient der Kurpark im Hirschberger Stadtteil Cieplice Śląskie-Zdrój (Bad Warmbrunn). Zum Abschluss des Festivals erweckt zeitgleich ein Konzert mit mittelalterlicher Musik die Wieża Książeca, den ehemaligen Fürstenturm von Siedlęcin (Boberröhsdorf), zu neuem Leben. Der gotische Wohnturm beherbergt sehr gut erhaltene Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert, die unter anderem die Ritter der Tafelrunde zeigen.

Auch die übrigen Konzertveranstaltungen versprechen, interessant zu werden. So präsentiert der Jazzpianist Janusz Skowron mit seiner Band am 18. August in Buchwald Musik des Filmkomponisten Krzesimir Dębski. Jazzig geht es auch einen Tag zuvor im Schlosshotel von Fischbach mit dem Marek Walarowski Trio zu. Ganz klassisch verspricht hingegen das Konzert „Miłość i życie kobiety“ (Frauenliebe und -leben) am 19. August auf Schloss Schildau zu werden. Sopranistin Michalina Bienkiewicz und Justyna Skoczek am Piano interpretieren den gleichnamigen Liederzyklus von Robert Schumann sowie Werke von Richard Strauss, Francis Poulenc und Claude Debussy. Dazu gibt es visuelle Installationen von Aleksandra Śnieżek. Mit einem Klavierkonzert der japanischen Künstlerin Yoko Kikuchi wird am 22. August der vollständig mit Delfter Kacheln geschmückte Salon von Schloss Wernersdorf nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wiedereröffnet.

Das Programm des Festivals umfasst zudem verschiedene Lesungen polnischer Autoren sowie Theateraufführungen im Norwid-Theater in Jelenia Góra. So laden die Veranstalter am 20. August zum Treffen mit dem bekannten Dichter und Liedertexter Jacek Cygan in die Kulturscheune von Bukowiec ein. Im Anschluss findet ein großes Festessen statt, das von einem Konzert seiner Lieder in der Interpretation des Chansonniers Zbigniew Wodecki begleitet wird. Auch Theaterliebhabern, die der polnischen Sprache nicht mächtig sind, sei ein Besuch der Veranstaltungen empfohlen. So ermöglichen diese einen intensiven Einblick in die polnische Bühnenkunst, die häufig auf minimalistische Inszenierungen und eine starke Bühnenpräsenz der Schauspieler setzt. So beispielsweise bei Anthony Shaffes „Mord mit kleinen Fehlern“ am 21. August. In den Hauptrollen sind Jan und Błażej Peszek zu sehen. Vater und Sohn gehören zu Polens beliebtesten Film- und Theaterdarstellern.

Informationen:
Die Mehrzahl der Veranstaltungen im Rahmen des Festival dell’Arte können kostenfrei besucht werden. Die beiden Theateraufführungen sowie das Festessen kosten hingegen zwischen 20 und 80 Złoty (5-20 Euro). Das Hirschberger Tal erstreckt sich rund um Jelenia Góra, etwa eine Autostunde vom Grenzübergang Görlitz entfernt. Infos zum Festival unter www.festivaldellarte.eu Besuchern bietet das Schlosshotel Wojanów spezielle Festival-Pakete für drei bis acht Tage Aufenthalt an, www.palac-wojanow.pl

Programm – Festival dell’Arte 2015

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